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Archiv

Hier finden alle veralteten Informationen und Veranstaltungen Platz, die keine aktuelle Bedeutung mehr haben, aber trotzdem informativ sind.

Freitagsrunde am 12. Juni 2026 um 19 Uhr
OB-Kandidat Uli Albicker stellt sich vor


Wie war der Stand 1945 und wie konnte es sich zu der Forderung der Kriegstüchtigkeit 2026 entwickelt. In einem kurzen Input werden hierzu Informationen gegeben, um eine Diskussion, aber auch Ausblicke, was zu tun sein könnte, zu ermöglichen .

4. Mai 1945 Anschlag auf die Kaserne Offenburg mit 114 Toten

Am 4. Mai 2026, gedenken wir hier der mindestens 114 Zwangsarbeiter – Männer und Frauen aus Osteuropa und  ihrer Kinder – , die an diesem Tag vor 81 Jahren in den ehemaligen Kasernengebäuden an diesem Platz bei mehreren Explosionen ums Leben kamen. Der Tag gehört nicht zu den offiziellen neun Gedenktagen der Stadt im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus, die bezwecken sollen, „den Opfern des Regimes ein ehrendes Andenken zu bewahren“ (Gemeinderatsbeschluss vom 24.03.2016). Es gibt aber kein einziges Ereignis in diesem historischen Zusammenhang in Offenburg, das eine so hohe tödliche Opferzahl vorzuweisen hat. Jahrelang hing die Erinnerungstafel an dieser Stelle mutwillig beschädigt und unleserlich – jetzt ist sie für Ausbesserungsarbeiten abgehängt worden. Anlass: Die bevorstehende Einweihungsfeier des Salmen am 13. Mai und die damit verbundene, vielfältige Öffentlichkeit, aber nicht der Opfergedenktag für die Bürger der Stadt. Wir Bürger der Stadt Offenburg, die wir uns an diesem Tag ungeachtet aller öffentlich – medialen Wirksamkeit hier versammeln, tun das in der Absicht, den Opfern damit ein würdiges Andenken zuteil werden lassen.

Wenige Tage vor dem Kriegsende, in der Nacht vom 3. auf den 4. Mai, explodierten in drei Kasernengebäuden an der Brachfeldstraße mehrere Sprengsätze nacheinander. Sie töteten mindestens 114  überwiegend aus der Sowjetunion stammende Zwangsarbeitende und ihre Kinder, die dort untergebracht waren, und verletzten viele weitere schwer. Die Toten wurden am folgenden Tag auf dem Waldbachfriedhof in einem Sammelgrab beerdigt.

Bei Aufräumarbeiten am übernächsten Tag wurden mutmaßlich 19 weitere Tote gefunden und weitere Personen durch neue Explosionen schwer verletzt. Vermutlich wurden diese Toten auch auf den Friedhof gebracht. Die Franzosen hatten zum Aufräumen und bergen der Toten inhaftierte Nationalsozialisten eingesetzt und der Freiburger Kommandantur vorgeschlagen als Vergeltungsmaßnahme 114 Nazis hängen zu lassen. Ob es dazu kam, ist nicht bekannt.

Diese Frage ist nach heutigem Kenntnisstand nicht schlüssig geklärt. Vermutlich handelte es sich um eine absichtliche Maßnahme der Wehrmacht auf der Grundlage des sogenannten „Nero“-Befehls, der verlangte, bei einem militärischen Rückzug außer der Infrastruktur auch die militärischen Anlagen zu zerstören. Ob die Franzosen nach den Explosionen über die Verursacher überhaupt eine Untersuchung eingeleitet haben, ist nirgends belegt; daher ist zumindest offen, wer oder welche Einheit genau Zeitzünder installiert hat, wenn es denn Explosionen durch Zeitzünder waren.

Der Krieg war zum Zeitpunkt der Explosion noch nicht vorbei. Mechanische Zeitzünder zur Zerstörung militärischer Infrastruktur einzusetzen ist als „übliche“ Kriegshandlung zu betrachten und daher nur insofern ein Verbrechen als der Krieg insgesamt als verbrecherisch zu betrachten wäre. Dabei ist es gleichgültig, ob eine französische Kolonialarmee oder Zivilisten die Opfer eines Anschlags werden. Wer immer diese Explosionen verursacht hat, er muss dabei auch zivile Opfer in Kauf genommen haben. 

Die Wehrmachtskaserne diente nach der Besetzung Offenburgs durch französische Truppen am 15. April als Sammellager für die befreiten Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen aus der Ortenau.

Eine genaue Zahl der in der Kaserne Untergebrachten existiert bisher ebenso wenig wie deren Namen. Doch ist davon auszugehen, dass es sich um ein paar tausend Zwangsarbeiter handelte, die sowohl vor als auch viele Monate nach den Explosionen in der Kaserne untergebracht waren.

Die Soldaten der französischen Besatzungstruppe hatten sich nicht in der Wehrmachtskaserne, sondern in Privatunterkünften eingerichtet, was auch andernorts üblich war.

Gegen Ende des  Zweiten Weltkriegs waren über acht Millionen registrierte ausländische Arbeitskräfte im Reich, davon mindestens drei Millionen aus der Sowjetunion. Sie mussten in der Landwirtschaft und in der Rüstungsindustrie in Stadt und Land arbeiten, sie hielten damit das Überleben der deutschen Bevölkerung auf erträglichem Niveau und hielten die Kriegswirtschaft aufrecht. Offenburg wurde im Krieg „zu einem regionalen Zentrum des Ausländereinsatzes, in dem Kriegsgefangene, Zivilarbeiter und KZ-Häftlinge im Vergleich zur Größe und ökonomischen Bedeutung der Stadt deutlich überrepräsentiert waren.“ (Bernd Boll, Ausländische Zwangsarbeiter in Offenburg).

Während des Krieges wohnten die meisten in Lagern, an deren Standorte und die dortige mörderische Strafjustiz, nichts in Offenburg mehr erinnert. Es gab bis 1944 ein Westlager für die Westarbeiter auf der Kronenwiese und ein Ostlager für die Osteuropäer im „Unteren Angel“, unweit des heutigen Oken – Gymnasiums, sowie ein zentrales Durchgangslager für Tausende von Kriegsgefangenen am Holderstock, wo gegenwärtig Flüchtlinge untergebracht sind.

Auch die ehemalige Freiheitsstätte „Salmen“ wurde vorübergehend als Zwangsarbeiterlager genutzt. Die Offenburger Lager „stellten eine eigene Stadt in der Stadt dar … Die Lagerwelt des NS-Systems“war“Ausdruck einer Mentalität, der Menschen vorrangig als räumlich und zeitlich beliebig einsetzbare Arbeitskräfte galten“, schreibt Bernd Boll.

Nach der Besetzung des Deutschen Reichs durch die Alliierten wurden die Zwangsarbeiter befreit und  aus Zwangsarbeitern wurden „Displaced Persons“. Das bedeutet so viel wie „entheimatete“ oder „versetzte“ Personen, die sich aus Kriegsgründen außerhalb ihres Staates befinden und auf die Rückkehr in ihre Heimatländer warten müssen. Während die Franzosen ihre eigenen Landsleute sofort nach ihrer Ankunft in ihre Heimat zurückschickten, wechselten die Osteuropäer mitunter nur ihre Lager und wurden häufig in Kasernen interniert. Ausgerechnet in der Zeit nach dem Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung im NS-System und vor dem Ende des Krieges gab es viele tödliche Anschläge auf Zwangsarbeiter und umgekehrt auch eine Lynchjustiz der Zwangsarbeiter gegenüber verhassten Lagerführern und Werksangehörigen. Ein Anschlag auf ausländische Arbeiter unter der Besatzungsherrschaft der Alliierten ist allerdings singulär.

Dass hier vor der Besatzung platzierte Zeitzünder der Wehrmacht im Spiel waren, wäre eine plausible Erklärung. Schlüssig bewiesen wurde sie aber bisher nicht.

Verantwortlich für den Inhalt: DFG – VK Offenburg, gez. Dr. Dorothea Hennig



Worte zu 2026 von Wolfgang Groth

Menschenrecht, Völkerrecht
Geschenkt
in der Ukraine
in Gaza
im Westjordanland
im Libanon
in Syrien
im Iran
in Venezuela
und wo auch sonst noch überall
es geht um Rohstoffe
seltene Erden und Öl
um geostrategische Überlegungen
um Imperialismus
Menschen- und Völkerrecht
dienen nur als Deckmantel
als Begründung und Vertuschung
für die wahren Hintergründe
Schande über die menschenverachtenden Strategen in West und Ost
DFG-VK Deutsche Friedensgesellschaft vereinigte KriegsdienstgegnerInnen


Kanonen statt Butter
Vortrag von Prof. Dr. Segbers

Zu diesem Thema sprach der emeritierte Professor für Theologie und Sozialethik der Universität Marburg Dr. Franz Segbers auf Einladung der DFG-VK-Gruppe im Gemeindesaal der Auferstehungskirche Offenburg. Einleitend setzte sich der Referent kritisch auseinander mit dem Sondervermögen – besser: Sonderschulden – für den Bereich Militär und Rüstung. Für die militärische Aufrüstung ohne Grenzen sei jetzt fast unbegrenzt Geld da, so der Referent. Gleichzeitig sei die Bundesregierung dabei, harte Kürzungen im sozialen Bereich vorzubereiten, was eine scharfe Verteilungsdebatte auslösen werde. Der Druck auf Migranten und Arbeitslose, der jetzt schon aufgebaut werde, sei nur der Vorlauf zu einem Test, wieviel an Sozialabbau die Gesellschaft zu akzeptieren bereit ist.

Auf der anderen Seite stehen, so Segbers, die wenigen Vermögenden, die derzeit als Aktionäre der Rüstungswirtschaft von gigantischen Kursgewinnen profitieren und in Zukunft als Kreditgeber des Bundes über Jahre und Jahrzehnte dazu noch Zinsen und Zinseszinsen kassieren werden. Beispielhaft nannte der Referent die vier reichsten Familien Deutschlands, deren Vermögen schon jetzt weit größer sei als das Vermögen der ärmeren Hälfte der Menschen in Deutschland. Seine Thesen verdeutlichte der Referent mit einer ganzen Reihe von Tabellen, die zeigten, dass bereits seit 2017 ein ständig wachsender Anteil des Bundeshaushalts für Militär und Rüstung ausgegeben wird. Nach der derzeitigen Finanzplanung werde bereits in vier Jahren der Militärhaushalt mehr als 150 Mrd. Euro betragen und die Zinsbelastung des Bundes bei rund 67 Mrd. Euro liegen – nach 4 Mrd. Euro im Jahre 2021. Es gehe aber, so Franz Segbers, nicht alleine um Geld, Sonderschulden und Zinsen, sondern um nicht weniger als den Zusammenhalt der Gesellschaften in den Staaten Europas. Eine Studie der Schwedischen Reichsbank habe gezeigt, dass über alle Regionen EU-Europas hinweg eine Kürzung der Sozialausgaben um nur 1% einen durchschnittlichen Stimmenzuwachs für extreme Parteien von 3% nach sich gezogen hat – und dies innerhalb von acht Jahren. Dies sollte all jenen zu denken geben, die nach wie vor der Meinung sind, dass mit Verweis auf die gegenwärtige Weltlage die Sozialausgaben bedenkenlos vermindert werden können. Eine lebhafte Diskussion schloss sich an den Vortrag an.


Europa im Krieg -zwischen Krieg und Gewissen-
Kriegsdienstverweigerung in Russland

Sasa Belik (Ehemaliger Geschäftsführer der Bewegung Kriegsdienstverweigerung in Russland) (Bild: Andreas Pahlow)

Mit Artem Klyga (Jurist & Menschenrechtsaktivist) (Bild: Andreas Pahlow)

Ein gutbesuchter Gemeindesaal in der Poststraße Offenburg bei der Veranstaltung zur russischen Kriegsdienstverweigerung. (Bild: Andreas Pahlow)

Was bedeuten diese Zahlen? Das Recht auf Kriegsdienstverweigerung vor der Einberufung ist in Russland seit Jahren gesetzlich verankert, aber es wird darüber nicht aufgeklärt. Wer zum ersten Mal mit den Militärbehörden zu tun hat, dem werden falsche Informationen gegeben – entweder, dass es gar nicht möglich sei, dem Militärdienst zu entgehen oder dass Anträge auf Zivildienst gar keine Chancen hätten usw. Die Bewegung für Kriegsdienstverweigerung in Russland klärt die jungen Männer über ihre Rechte auf – über die Webseite, über einen Telegram-Kanal und telefonisch. Allein über den Telegram-Kanal gebe es 500 Anfragen pro Monat.

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